Office365, Google Docs oder Datensicherheit?

Cloud ist sexy! Sofort eingerichtet, Wartung und Pflege ist ausgelagert, Ressourcen skalieren ohne Zutun und in vielen Fällen bieten Web-Lösungen mittlerweile Funktionen, die man sich bei Desktop-Lösungen nur wünschen kann.

Seit Google vormacht, wie man online gemeinsam am gleichen Dokument arbeiten kann, merken auch hartgesottene Word-Freaks, dass es bei Textverarbeitung primär um Inhalte geht und diese entstehen nun mal schneller und unkomplizierter, wenn man mit seinen Arbeits- oder StudienkollegInnen direkt am gleichen Text arbeiten kann.

Auch bei Projekt-Management Tools merken selbst die grössten Fans von etablierten Desktop-Lösungen, dass es durchaus praktisch ist, wenn man unkompliziert via Browser den Status eines Tasks aktualisieren kann.

Die Liste solcher Anwendungsfälle liesse sich beliebig erweitern und so erstaunt es nicht, dass immer mehr Workflows ins Web wandern – doch was passiert mit den Daten?

Der Einsatz von Dropbox, Google Docs, SmartSheet und co. hat einen gewichtigen Nachteil: sämtliche Daten wandern in die Hände Dritter und jede Organisation, welche diesen Schritt vollzieht, läuft Gefahr, dass etwelche Firmengeheimnisse in die falschen Hände geraten.

Die Wahl lautet also: die Vorteile der Cloud nutzen oder Datensicherheit garantieren?

Collabora Online – Funktionalität und Datensicherheit

Die Open Source Community hat mit LibreOffice eine Office Suite geschaffen, die längst etabliert ist und in rasantem Tempo weiterentwickelt wird.

Unsere Kollegen bei Collabora zählen zu den wichtigsten Unterstützern dieses Projekts und haben früh erkannt, dass eine webbasierte Lösungen geschaffen werden muss, um auch die neuen Anforderungen an webbasierte Workflows abdecken zu können.

Collabora Online eingebettet in Nextcloud

Statt auf Feld 1 neu zu starten und eine komplett neue Office-Lösung für den Browser zu entwickeln, haben die Collabora EntwicklerInnen auf LibreOffice aufgebaut und eine Art Web-Frontend darum gezimmert.

Die so entstandene Lösung ist heisst Collabora Online, ist komplett Open Source, lässt sich auf der eigenen Infrastruktur betreiben und wird durch kommerzielle Support-Dienstleistungen abgerundet.

Wie funktioniert Collabora Online?

Collabora Online besteht im Kern aus einer Server-Komponente, die am einfachsten als eine Art headless LibreOffice beschrieben werden kann.

Dieser Daemon rendert die Dokumente auf dem Server und verwendet dabei die gleiche Code-Basis wie die Desktop Version, nutzt als Zeichnungsfläche jedoch nicht eine GUI, sondern erstellt direkt Bitmap-Repräsentationen der Dokumente. Der Server akzeptiert externe Verbindungen über HTTP(S) und stellt Websockets zur Verfügung, über welche die Kommunikation mit dem Browser verläuft.

Im Client läuft eine HTML/JavaScript-Applikation, die im Kern auf leaflet.js aufbaut. leaflet.js ist im Umfeld von Online-Karten entstanden und man darf sich fragen, wo hier der Zusammenhang besteht. Nun, unterteilt man ein Dokument in 256×256 Pixel grosse Segmente und klatscht eine Zoom-Funktion oben drauf, stellt man schnell fest, dass eine online Repräsentationen eines Dokuments durchaus einer Karten-Darstellung gleicht.

Über dieser „Karten-Darstellung“ des Dokuments schwebt eine (transparente) Ebene, über die der Benutzer mit dem Dokument interagiert. Text markieren, Objekte herumschieben, etc. werden dabei auf diesem Layer getätigt und über den Websocket an den Server geschickt.

Der Server-Dienst rendert das Dokument neu und invalidiert die Bereiche des Dokuments, die neu gezeichnet werden müssen. Die neuen Tiles werden an den Browser geschickt und dieser tauscht die nötigen Bereiche entsprechend aus.

Zusammenspiel Client/Server

Die Roundtrip-Zeit (Client → Server → Client) hat dabei einen grossen Einfluss darauf, wie flüssig sich das Editieren anfühlt. Diesen Text habe ich über Wifi und eine gewöhnliche VDSL-Leitung geschrieben. Beim Tippen fällt die Latenz dabei auf. Die ping-Zeiten zu dem Host betrugen rund 20ms, doch als all zu störend habe ich diesen Lag nicht empfunden. Beim Herumschieben von Bildern fällt es hingegen eher ins Gewicht.

Funktionsumfang

Der angebotene Funktionsumfang umfasst aktuell ein Subset der Möglichkeiten der Desktop-Anwendungen. Sämtliche Basis-Funktionen stehen jedoch zur Verfügung und funktionieren soweit problemlos.

Es spielt keine Rolle, ob man ein Text-Dokument, eine Tabelle oder eine Präsentation bearbeiten will – alle diese Dateitypen werden gleichermassen unterstützt.

Das kollaborative Editieren sticht aus der Lösung natürlich hervor: ein Dokument kann gleichzeitig von mehreren BenutzerInnen editiert werden. Jeder Cursor wird dabei separat angezeit – genau so, wie man es von Lösungen wie Google Docs auch kennt.

Ausblick

Collabora arbeitet intensiv daran, weitere Funktionen von LibreOffice auch im Browser zugänglich zu machen. Bis Ende 2017 sollen in der online Version viele weitere Funktionen dazu kommen – hier profitiert die Lösung natürlich ungemein davon, dass sämtliche Features auf der Server-Seite bereits implementiert sind und „lediglich“ der Frontend Teil um entsprechende Aufrufe ergänzt werden muss.

Test Zugang

Wir führen aktuell intensive Tests durch und sammeln Erfahrungen im Betrieb der Lösung. Gerne erstellen wir dafür auch Test-Zugänge für interessierte Leserinnen und Leser dieses Blogs. Eine Mail an info@adfinis-sygroup.ch genügt – wir übernehmen aber aktuell noch keine Garantien für die Verfügbarkeit des Dienstes! Die Daten liegen aber auf Servern unserer Infrastruktur und wir stellen definitiv keinen Unfug damit an – versprochen! 🙂

Fazit

Collabora Online hat gehöriges Potential! Die von Collabora erstellte Lösung ist simpel und genial. Die Dokumente werden perfekt gerendert und es gibt eine 100%ige Kompatibilität zwischen der Desktop und der online Version. Schon allein dieser Vorteil ist ein USP für sich. Dass man die Lösung im eigenen Datacenter betreiben kann ist jedoch noch weitaus wichtiger als wenn das nicht schon ausreichen würde: das ganze ist Open Source und selbst kommerzielle Support Angebote mit lokalen Partnern sind schon verfügbar.

Einziger Wermutstropfen: die Round-Trip Zeiten werden bei langsamen Verbindungen ein Problem darstellen. Dies lässt sich wohl mit dem gewählten Ansatz auch zukünftig nicht lösen.

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